Beim „Einklang“ gab es zur Eintrittskarte eine
Weltreise inklusive
Die
Chorvereinigung Einklang 1861 Hollabrunn unter der Leitung von Gerhard Sulz
entführte das Publikum mit a-cappella-Chören nach Schweden, Slowenien und
Kroatien - und das alles in der Originalsprache.
Mit „Ein Strauss geht um die
Welt“ hat die Chorvereinigung Einklang 1861 ihr eigenes Konzertmotto aber so
was von beim Wort genommen. Bis auf Australien wurden alle Kontinente dieser
Erde musikalisch bereist. Eine Weltreise im Konzertsaal wird einem nicht alle
Tage geboten.
„Ein Grüßchen, ein Küsschen“ bekamen die Besucher des Konzerts der Chorvereinigung 1861
Einklang im Festsaal des Hollabrunner Seminars gleich mal zu Beginn musikalisch
von den Chormitgliedern. Die Text-zeile stammt aus dem Walzer „Rosen aus dem
Süden“ von Johann Strauss (Sohn), dem Jahresregenten, an dem man heuer nicht
vorbei-kommt. Der „Walzerkönig“ (1825-1899) diente folgerichtig als Kom-pass
für das Konzertprogramm.
In der Zusammenstellung griffen Gerhard Sulz und Matthias Binder auf
einen Aspekt in der Biografie von Strauss zurück. Die ausgeprägte Rei-setätigkeit
des Jubilars - der das Reisen keineswegs schätzte – diente als Grundlage der
ausgesuchten Stücke und bescherten dem Publikum unter dem Motto „Ein Strauss
geht um die Welt“ zum Konzertticket eine Weltreise inklusive. Vom besungenen
Süden ging es mit Gerhard Sulz als Dirigenten a-cappella nach Schweden, Slowenien
und Kroatien.
All inclusive: Konzert,
Weltreise und Sprachkurs
Wer wollte, konnte auch gleich noch einen Sprachkurs absolvieren, denn
alle Lieder wurden in Originalsprache gesungen. Mit „Granada“ reiste der Chor
unter der Leitung von Matthias Binder weiter nach Spanien. Mit der Hymne von
Gabriel Fauré „Cantique de Jean Racine“ lautete der nächste Zwischenstopp
Frankreich. Dabei konnte auch der begleitende Pianist Tom Böttcher sein Können
am Konzertflügel unter Beweis stellen.
Dann war man am Ende des ersten Teils doch wieder in jenem Süden
angekommen, auf den sich Strauss' Walzer bezieht. Denn die „Rosen aus dem
Süden“ stammen aus der Operette „Das Spitzentuch der Königin“ und waren dem
italienischen König Umberto I. gewidmet. Mit dem neapolitanischen Volkslied
„Funiculi“ - 1880 anlässlich der Einwei-hung der ersten Seilbahn komponiert -
und Gioachino Rossinis „Il Carnevale di Venezia“ blieb die letzte Station vor
der Pause Italien.
Die Sänger und Chorleiter
Matthias Binder begeisterten unter anderem mit sehr rhythmi-schen Liedern aus
Afrika, was an den Zuhörenden nicht ohne wippende Spuren vorüber-ging.
Der zweite Teil startete mit dem von Binder geleiteten Frauenchor in
Haiti und mit dem Lied „Ezili“, das in den 1890er-Jahren vom damals erst
14-jährigen haitianischen Sänger Kandjo komponiert und Teil des haitianischen
Folklorerepertoires wurde. Mit den getragenen Klängen des traditionellen Lieds
„Sakura“, zu Deutsch Kirschblüten, waren Chor und Publikum flugs in Japan. Dort
sind die Kirschblüten ein Paradebei-spiel für das Konzept des „mono no aware“,
der Schönheit der ver-gäng-lichen Dinge.
Mit „Der Kondor fliegt vorüber“ - „El condor pasa“ - wurde Peru als
nächster Halt der musikalischen Reise angesteuert, gefolgt von weiteren Liedern
vom amerikanischen Kontinent. Bevor alle wieder daheim ankamen, gab's noch
einen Ausflug nach Afrika mit viel ansteckendem Rhythmus, dem sich auch die
Zuschauer nicht entziehen konnten. Wohlgemerkt, alles in der jeweiligen
Landessprache.
Tritsch-Tratsch-Polka als
besonders unterhaltsames Zuckerl
Im moderaten Marschtempo war mit dem Titelschlager „Ein Lied geht um die
Welt“ des gleichnamigen Tonfilms von Richard Oswald aus dem Jahr 1933 so
langsam das Ende der Weltreise gekommen. Das klang dann auch ein bisschen nach
Urlaubserinnerungen, wenn die Chorver-einigung gesanglich in Remineszenzen an
all die Destinationen schwelgte: „Die Melodie erreicht die Sterne. / Jeder von
uns hört sie so gerne.“
Aber da war ja noch Johann Strauss, und mit dessen Tritsch-Tratsch-Polka
hatte der Chor noch ein besonders unterhaltsames Zuckerl als Rausschmeißer zu
bieten. Denn natürlich hat man sich nach so viel Eindrücken ganz viel zu
erzählen oder eben zu tratschen. Dabei war es schön zu sehen, dass die
Singenden mindestens genauso viel Spaß bei ihrem Vortrag hatten wie das
Publikum im Saal beim Zuhören. Ihre Freude taten die Zuschauer ausgiebig durch
anhaltenden Applaus kund.
NON Hollabrunn/Pfeiffer